Erholungslager Mallorca 2016

Schon vor Ablauf der Saison 2015 bedachte mich BW mit einer „Einladung“ zu dem von ihm organisierten Trainingslager auf Mallorca Anfang März. Es dauerte für meine Verhältnisse vergleichsweise kurz, bis ich meinen Geiz überwunden hatte und zusagte. Wie es sich für einen deutschen Weltbürger gehört, führte mich mein erster Urlaub, den ich mir selbst finanziert hatte, also nach Mallorca.

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Vom Fressen und gefressen werden.

Was zu Beginn des Jahres mit einem 30-tägigen Experiment begann, hat sich mittlerweile zu einem neuen Bestandteil meiner Auffassung von Leben, Zusammenleben und Tod entwickelt – ich wurde den Überzeugungen des veganen Lebensstils erfasst. Für jemanden, der seine Mitmenschen gerne und ausgiebig über seinen krassen Sahnekonsum informierte und sich obendrein damit brüstete, das Käsefondue bei Familienfeiern nahezu alleine zu vernichten, kommt dieser Wandel der Transformation vom Saulus zum Paulus gleich. Wie kam es dazu, dass ich mittlerweile keine tierischen Produkte mehr essen möchte?

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Rollentod

In Anlehnung an Rammstein – Rosenrot. Daher bitte hier klicken, um während des Lesens die korrekte akustische Untermalung zu genießen.

Sah ein Knab sein Röllchen stehn,
Sehnte sich nach Schenkelglühn,
So zog er sich Radkleidung an,
stieg auf’s Rad geschwind sodann.

Er will Schmerz in Po und Bein,
So war es und so wird es immer sein,
Er will Schmerzen auch im Bauch,
Wer Schmerzen will bekommt sie auch.

Im Hause drinnen muss der radeln,
der sich gründlich quälen will,
Rollentod oh Rollentod,
Die Beine steh’n nie still.

Das Wetter lässt ihm keine Wahl,
Folglich ist’s ihm sehr egal,
Hat das Treten nur im Sinn,
So richtet er allein sich hin.

Er will Schmerz in Po und Bein,
So war es und so wird es immer sein,
Er will Schmerzen auch im Bauch,
Wer Schmerzen will bekommt sie auch.

Nach der Flasche muss er greifen,
Wenn er klares Wasser will,
Rollentod oh Rollentod,
Die Beine steh’n nie still.

Von seiner Stirne rinnt der Schweiß,
Im Zimmer ist es viel zu heiß,
Und ein Schrei tut jedem kund,
Jetzt läuft es nicht mehr rund.

Er will Schmerz in Po und Bein,
So war es und so wird es immer sein,
Er will Schmerzen auch im Bauch,
Wer Schmerzen will bekommt sie auch.

Im Hause drinnen muss der radeln,
der sich gründlich quälen will,
Rollentod oh Rollentod,
Die Beine steh’n nie still.

 

Festive 500 2015

Wie seit einigen Jahren üblich stellte ein wohlbekannter Hersteller besonders edel anmutender Radsportbekleidung für notorisch stilorientierte Athleten ebensolchen den Ritterschlag durch ein gesticktes Abzeichen in Aussicht, falls sie eine Distanz von (mindestens) 500 km im Zeitraum vom 24. Bis zum 31.12. zurückzulegten und ihre Großtaten ausreichend belegen konnten.

Wie in den vergangenen beiden Jahren fehlte mir auch dieses Weihnachten ein „vernünftiger“ Grund, über die Feiertage unverhältnismäßige Trainingsumfänge zu absolvieren. Daher halfen mir die Festive 500 als Begründung sowie Motivation, das überbordende Nahrungsangebot mit einem nicht weniger abartigen Trainingsumfang zu kombinieren.

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Saisonbeginn 2016

Am 1. November wurde die Saison 2016 traditionell, offiziell und stilvoll mit einer zünftigen Fahrt hinauf nach Kaltenbronn eröffnet. Während im Tale der Nebel die Sicht trübte, badeten wir schon nach wenigen Höhenmetern in der Sonne und kurz darauf auch im eigenen Schweiß. Der Freude tat dies gewiss keinen Abbruch und so wurde die Eroberung Kaltenbronns euphorisch gefeiert.

Kaltenbronn bezwungen. Bild: Ben Witt
Steil gegangen. Bild: Ben Witt

Da im Wintertraining generell härter gefahren werden muss, hielt ein 25-er Ritzel als Rettungsring her. Leider schien meine Kurbel nichts von einer derartigen Erhöhung der wirkenden Kräfte zu halten und ich musste feststellen, dass sich das Aluminiuminlay mit dem Pedalgewinde vom Kurbelarm aus Carbon gelöst hatte. So kam ich jedoch immerhin in den Genuss, wieder einmal mit gutem Grund mein edles Ersatzrad zunächst zu pflegen und danach zu schinden. Die unschlagbar gute Form, die mir der Saisonauftakt in Kaltenbronn beschert, hilft mir dabei bis heute natürlich ungemein.

Leider verleitete mich meine Topform auch dazu, in der winterlichen Alternativsportart Nummer eins, dem Laufen, ein für meinen verweichlichten Bewegungsapparat zu schnelles Tempo zu wählen und mich konsequenterweise gleich mit Schmerzen im Knöchel für zwei Wochen zu verabschieden. Darunter litt leider auch die Teilnahme an der Alternativsportart Nummer zwei des Winters, dem Zirkeltraining, das mir nach der ersten Teilnahme noch einen wirklich respektablen Muskelkater im unteren Rücken sowie den Adduktoren beschert hatte.

Die Verletzungspause konnte ich glücklicherweise effektiv nutzen, um mir neues Material zu besorgen, das den harten Belastungen des Wintertrainings hoffentlich standhält.

Bergkönig Ebersteinburg 2015

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© Toni Stubenrauch

Nachdem ich das Bergzeitfahren der RSG Ried Rastatt hinauf nach Ebersteinburg in den vergangenen beiden Jahren für mich entscheiden konnte, wollte ich dort auch in diesem Jahr am Start stehen. Infolge der Operation im Juli und zwei lästigen Infekten war ich mit meiner Form im Vorfeld jedoch alles andere als zufrieden. Doch rechtzeitig vor der Veranstaltung zeichnete sich zumindest ein vorsichtiger Aufwärtstrend ab. So lautete mein Plan, mit wehenden Fahnen unterzugehen. Druck, den ich im letzten Jahr sowohl mental als auch auf dem Pedal hatte, verspürte ich in diesem Jahr nicht.

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Chinesischer Knoblauch macht frischen Atem

Am Dienstagabend war ich zu einem ausgesprochen leckeren Crêpes-Schlemmen eingeladen, das geschmacklich leider noch vor dem Nachtisch in ein handfestes Desaster umschlagen sollte. Die Gastgeber hatten auf Anraten eines Kochs chinesischen Knoblauch gekauft. Dieser soll einerseits ein dem herkömmlichen Knoblauch ebenbürtiges Geschmackserlebnis bieten andererseits soll man im Anschluss seinen Genuss jedoch keinen unangenehmen Körpergeruch verströmen. Eine steile These, wie ich fand.

Da ich noch etwas Halsweh hatte und Knoblauch in der traditionellen Medizin und bei Superfood-Enthusiasten als besonders wirksames Heilmittel gegen sämtliche Leiden geschätzt wird, wollte ich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und sowohl meinen Infekt besiegen, als auch im Dienste der Wissenschaft feststellen, ob der Knoblauch das Versprechen nach weniger unangenehmem Körpergeruch hält. Großspurig kündigte ich an, eine Zehe des Knoblauchs roh zu genießen und willigte ein, im Anschluss über den Ausgangs des Experiments Bericht zu erstatten.

Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht wusste: Chinesischer Knoblauch wird auch Soloknoblauch genannt, weil eine Knolle keine einzelnen Zehen besitzt. Ich hielt mich aber einmal mehr an die alte Weisheit „Wenn’d was druff hasch, macht dir’s nix aus.“ Voller Vorfreude darüber, dass ich am nächsten Tag vollkommen genesen Bäume ausreißen würde, belegte ich mir ein Brot mit den Scheiben einer Knolle, die in ihrer Größe (gütigerweise) nur einer sehr großen Walnuß gleichkam.

Den Vergleich zur Schärfe normalen Knoblauchs kann ich nicht ziehen, aber ich empfand den Soloknoblauch als wahrlich scharf genug. Der Versuch wurde fotografisch festgehalten und die Bilder sprechen für sich.

Ich empfehle Anwendern des Soloknoblauchs sich an die üblichen Mengen zu halten. Meine weiteren Speisen gingen fortan leider geschmacklich vollkommen unter, aber eine wohlige Wärme aus meinem tiefsten Inneren durchströmte mich.

Auch das Frühstück am nächsten Morgen war geschmacklich noch etwas beeinträchtigt, obwohl ich zur Feier des Tages sogar meine Zahnbürste für meine Zähne anstatt zur Reinigung meiner Kette zweckentfremdet hatte. Leider war mein Infekt auch nicht vollständig verschwunden.

Blieb zumindest die Hoffnung, dass ich nicht durch den typischen Knoblauchgeruch gebrandmarkt sein würde. Als Probanden erachtete ich meine Arbeitskollegen als repräsentative Stichprobe. Zumindest mein Zimmerkollege schien doch erheblich unter meinen Ausdünstungen zu leiden. Um endgütlig festzustellen, ob man nach dem Geruch herkömmlichen Knoblauchs noch penetranter duftet, müsste das Experiment natürlich mit ebensolchem Knoblauch und denselben Probanden wiederholt werden. Leider wurde ich eindringlich dazu angehalten, derlei Experimente zukünftig nicht zu wiederholen, sodass ich die Antwort auf diese Frage leider schuldig bleibe. Ich gehe jedoch davon aus, dass der Geruch im Falle herkömmlichen Knoblauchs penetranter ist. Ein eher knoblauchaffiner Kollege nahm nämlich keinen unangenehmen Geruch wahr.

Die rote Ampel, die Zivilstreife und ich. Ein Denkzettel.

Obwohl ich mich heute aufgrund leichten Halskratzens nicht wirklich fit fühlte, wollte ich den warmen Sommerabend doch zu einer kleinen Tour nutzen. Auf dem Weg durch die Felder konnte ich sogar die ersten Äpfel der Saison ernten und machte mich mit vollen Trikottaschen zurück auf den Heimweg. Wie gewöhnlich herrschte bei den meisten Ampeln, die meinen Weg verschönerten „Radlergrün“ vor. Deshalb machte ich mir keine weiteren Gedanken, als ich die Grünphase an einer größeren Kreuzung ebenfalls spürbar ausweitete.

Wenig später sollte sich dies als fatal herausstellen. Einen knappen Kilometer nach der Ampel parkte ein grauer Kombi, der von zwei schneidigen Beamten in meinem Alter flankiert wurde, auf dem Radweg, den ich heute (vorbildlicherweise) nutzte. Anders als erhofft, wurde dieser Umstand von den eifrigen Ordnungshütern jedoch nicht mit Anerkennung gewürdigt. Sie machten mich vielmehr auf meine soeben begangene Ordnungswidrigkeit aufmerksam, die ich auch nicht abstritt.

Was nun folgte, war eine Zurechtweisung und Rechtfertigung, deren logische Geschlossenheit mir zumindest fragwürdig erscheint. Mir wurde zur Last gelegt, die rote Ampel missachtet zu haben – dieser Tatbestand trifft vollkommen zu – und dadurch andere Verkehrteilnehmer, in diesem Fall die beiden Polizisten in ihrem Streifenwagen, gefährdet zu haben – hier hege ich doch gewisse Zweifel.

Paradoxerweise versuchten mir die beiden glaubhaft zu vermitteln, dass sie sich eigentlich um meine Gesundheit sorgten und deshalb einschritten, bevor ich an der nächsten Ampel zu Tode gekommen wäre. Denn als Radfahrer sei ich es, der unter einer Kollision zu leiden habe. In diesem Fall würde mich auch der Helm nicht schützen und ich hätte mit großer Sicherheit Knochenbrüche, Prellungen und Schürfwunden davongetragen. (Als ob ich dafür erst mit einem Auto zusammenstoßen müsste.)

Meine beiden Schutzbefohlenen gaben sich eine geschlagene Viertelstunde große Mühe sowohl die Sorge um meine Gesundheit als auch ihren erlittenen Schock, aufgrund der von mir in Kauf genommenen Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer, insbesondere ihnen selbst, eloquent zum Ausdruck zu bringen. Da sie als Zivilstreife unterwegs waren, hätte die Hemmschwelle zu reagieren, naturgemäß hoch gelegen. Aber diese schwerwiegende Ordnungswidrigkeit mussten sie sofort ahnden.

Ich erfuhr auch, dass es ein recht kostspieliger „Denkzettel“ werden würde, den sie mir auf den Heimweg sowie meinen weiteren Lebensweg mitgeben würden. Insgesamt belief sich die Ausbeute auf 160 € Bußgeld, eine Anzeige und zwei Punkte. Ziemlich viel Geld für einen lausigen Durchschrieb, der in einer ungelenken Handschrift ausgefüllt worden war. Wie nachhaltig sich dieses Wertpapier entwickelt, kann ich natürlich noch nicht abschätzen. Aber ich bin der festen Überzeugung, eine sinnvolle Investition getätigt zu haben. Denn die Bußgeldstelle wird mir gegen eine läppische Bearbeitungsgebühr von 25 € glücklicherweise noch eine ordnungsgemäße Rechnung zukommen lassen.

Da ich den beiden nun schon eine Weile Gesellschaft leisten durfte und langsam die Dämmerung hereinbrach, geriet abschließend noch die Frage nach meinem Licht in ihren Fokus. Mein Einwand, dass ich eigentlich vor Hereinbruch der Nacht daheim angelangt wäre, überzeugte sie nicht gerade. Deshalb wurde mir nahegelegt, aus Rücksichtnahme auf meine eigene Unversehrtheit, mit dem öffentlichen Nahverkehr die Heimfahrt anzutreten.

Um weiteren Anzeigen wegen Schwarzfahrens sowie eventueller Sachbeschädigung und Erregung öffentlichen Ärgernisses und einer Privatinsolvenz aus dem Weg zu gehen, bzw. zu fahren, entschied ich mich jedoch dafür, den Heimweg auf dem Fahrrad zu bewältigen.

Ein überdurchschnittlich gelungener Abend.